Zeit braucht mich nicht. Ich brauche die Zeit.

Eliyar Alimirzoev
Künstler, Baku, Aserbaidschan

„Nasimi, der große Dichter Aserbaidschans, sagte: „Ich bin nicht Gott, aber Gott ist in mir.“ Ich sage gern: „Ich bin nicht die Zeit, aber die Zeit ist in mir.“ Ich weiß nicht, wie alt ich bin, obwohl mein Pass behauptet, ich wäre 50. Wenn wir zu den Sternen schauen, meinen wir, wir seien in der Gegenwart– dabei schauen wir in die Vergangenheit. Wenn wir auf Kinder schauen, sehen wir die Zukunft. Seit dem Jahr meiner Geburt bis heute hat sich der Mond um 20 Meter von der Erde wegbewegt ...

Ich halte die Zeit für etwas wie Gott … ich kann sie nicht sehen, obwohl ich sie permanent wahrnehme. Zeit braucht mich nicht, aber ich brauche die Zeit. Jeder Mensch hat seine Zeit. Sie kann sich ins scheinbar Unendliche erstrecken oder wie eine Sekunde erscheinen. Durchdringender Zahnschmerz scheint die Zeit anzuhalten. Jahre, die wir mit geliebten Menschen verbringen, vergehen schnell wie der Blitz.

Die Uhr misst die Zeit, bis du verschwindest. Du weißt nie, wann es geschieht. Wenn es dann geschieht, denkst du: „Wirklich? Wirklich ich?“ Die beste Zeit ist die, in der du glücklich bist. Ich wünsche allen Menschen die Zeit, glücklich zu sein. In meinem Leben praktiziere ich regelmäßig eine Übung: Wenn ich durch eine Tür gehe, überschreite ich immer mit dem rechten Fuß zuerst die Schwelle und wünsche allen Menschen, es möge ihnen gut gehen. Zeit berührt mich, sie erleuchtet mich und sie spiegelt sich in meiner Arbeit. Wie jeder andere Mensch lebe ich in der Zeit. Zeit ist wie Sand in den Händen. Aber diese Hände errichten Pyramiden aus Sand und wischen sie im nächsten Augenblick weg. Ich sehe, wie ich in meinen Kindern weiterlebe, und das ist es, was für manche Ewigkeit heißt.

Ich bin Maler, bin zum Maler geschaffen. Und wenn man mich fragt: „Warum produzierst du Bilder?“ … dann erwidere ich: „Und warum trinkst du Wasser?“ – „Weil ich durstig bin.“ Menschen und Ereignisse kommen und gehen, während die Sehnsucht, ein Bild zu malen, für immer andauert. Lang möge er leben, der Maler!

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